22.02.2026 – Am Kardinal-von-Galen-Gymnasium waren in dieser Woche alle Jahrgangsstufen eingeladen, den Meditationsraum zu besuchen und das Aschekreuz zu empfangen. Anders als bei einem klassischen Schulgottesdienst geschah dies nicht in einer gemeinsamen Feier, sondern im freiwilligen Rahmen einer jeweils 30-minütigen digital gestützten Katechese für alle Klassen, vorbereitet und durchgeführt von Schulseelsorger Stephan Orth.
Ausgangspunkt war das Wort: „Kehr um und glaube an das Evangelium.“ In vier Stationen – die vierte bildete das Aschekreuz – setzten sich die Schülerinnen und Schüler persönlich mit dieser Botschaft auseinander.
Frage der Perspektive – Metanoia als Umdenken
Anhand des berühmten Erd-Fotos, aufgenommen vom Mond, und der jeweiligen Sitzperspektive im Raum wurde deutlich, wie sehr Blickwinkel unsere Wahrnehmung prägen – im Glauben wie im Alltag. „Metanoia“ meint dabei nicht bloß eine äußere Richtungsänderung, sondern einen inneren Prozess des Umdenkens. Umkehr heißt nicht: Alles war falsch, sondern: Meine Sicht ist nicht die einzige.
In einer Aktion hielten die Jugendlichen fest, wo sie vorschnell urteilen, schwarz-weiß denken oder Vorurteile haben. Die Zettel wurden gesammelt und sollen in der Osternacht im Osterfeuer verbrannt werden – als Zeichen der Hoffnung auf eine geweitete Perspektive, die über das Hier und Jetzt hinausreicht.
Glaube und Gottesbild – Anders als wir denken
Ein KI-generiertes Bild eines vom Leben gezeichneten Mannes aus dem Nahen Osten führte zur Frage nach unserem Jesusbild. Schnell zeigte sich, wie stark die europäische Kunst- und Kulturgeschichte unsere Vorstellungen von Jesus geprägt hat. Daran anknüpfend wurde über das eigene Gottesbild gesprochen: Sich „kein Bild von Gott“ zu machen bedeutet kein generelles Bilderverbot, sondern die Weigerung, Gott festzulegen oder einzuengen. Glaube ist keine Sicherheit und kein Wissen, sondern eine freie Entscheidung, eine Hoffnung auf mehr.
Das Evangelium – Gute Nachrichten leben
Warum heißt Evangelium „gute Nachricht“, obwohl wir doch täglich mit Nachrichten von Kriegen, Katastrophen und Leid konfrontiert werden? In der gemeinsamen Auseinandersetzung wurde deutlich: Gute Nachrichten entstehen nicht zufällig, sondern durch Menschen. Die Erzählung über ein kurzes Instagram-Reel über ein unerwartetes Kompliment im Alltag verdeutlichte, wie kleine Gesten reale Wirkung entfalten können. Wer glaubt, trägt Mitverantwortung dafür, gute Nachrichten in die Welt zu bringen.
Am Ende konnten die Schülerinnen und Schüler das Aschekreuz empfangen, einen Segen erhalten oder bewusst darauf verzichten – in voller Freiheit. Mindestens 800 Kinder und Jugendliche nahmen teil. Für die Oberstufe war der Besuch kursunabhängig möglich; viele kamen eigenständig in den Meditationsraum. Das Angebot erstreckte sich über Aschermittwoch sowie Donnerstag und Freitag, um allen eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fastenzeit, Leben und Glauben zu ermöglichen.
So wurde das Aschekreuz mehr als ein äußeres Zeichen oder ein katholischer Pflichttermin. Es wurde zur Einladung, umzudenken, seinen Glauben zu reflektieren und selbst Teil der guten Nachricht zu werden.


