„Lyrikertreffen“ am KvG

27.05.2019 Gleich zwei Lyriker des diesjährigen Lyrikertreffens Münster waren jetzt zu Gast am KvG: Thilo Krause im GK Deutsch Q1 von Frau Theilmeier-Wahner und Jan Skudlarek im Deutschunterricht der 6a von Frau Nacke.

Mit dem 1977 in Dresden geborenen Thilo Krause erlebten die Oberstufenschüler einen Mann, dessen Biographie so gar nichts von einem typischen Bohemien aufweist: Als promovierter Wirtschaftsingenieur arbeitet Krause bei den Energiewerken der Stadt Zürich und ist froh darüber, seine Gedichte schreiben zu können, ohne davon leben zu müssen. Einen Widerspruch zwischen seinen beiden Tätigkeitsfeldern sieht er aber keineswegs: Auch ein Wissenschaftler müsse kreativ sein und auch ein Schriftsteller brauche ein gutes Zeitmanagement. Die gängige Vorstellung vom genialischen Schreibrausch sei zwar romantisch, aber ein Mythos.

Nachdem Thilo Krause den gespannt zuhörenden KvGlern einen Zyklus bislang unveröffentlichter Gedichte vorgetragen hatte, in denen er seine Erfahrungen als Schüler beim Zusammenbruch der DDR verarbeitet hat, kam es im Kurs zu einem lebhaften Austausch darüber, ob man als junger Mensch in gesellschaftlichen Umbruchsituationen Chancen hat, sich aktiv einzubringen. Sehr interessiert lauschte Krause den engagierten Beiträgen der Schüler zu den Themen „Fridays for Future“, „Europa“ und „Soziale Medien/Literatur“, um Ihnen schließlich herzlich zu danken: „Ich habe von euch sehr viel gelernt!“ Dass diese Wertschätzung auf Gegenseitigkeit beruhte, war ganz offensichtlich: Die Schüler genossen den Austausch mit dem inspirierenden Gast und äußerten ihre Begeisterung schließlich durch lang anhaltenden Applaus.

„Mit Worten Bilder malen“ durften die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a am Freitag in der 4. Stunde. Als spezielles Angebot für 11-14-Jährige im Rahmen des „Kulturrucksacks NRW“ kam der Lyriker Jan Skudlarek in die 6a. Er hat vor allem mit seinem Lyrikband „Elektrosmog“ Aufsehen in der literarischen Welt erregt und weckte nun mit einem kreativem Lyrik-Workshop in der 6a die Lust am Schreiben. Der Besuch am KvG, den er mit einem Abstecher in seine Heimat Werne verbinden konnte, war ihm so wichtig, dass er sogar ein Fernsehinterview dafür abgesagt hat!

Das Warm up begann mit einem Kettengedicht, bei dem jede/r einen Vers zu einem Gedicht beitrug. Auch wenn natürlich alle wissen, dass sich Gedichte nicht reimen müssen, entstanden im Autorenkollektiv kreative Paarungen wie „muss —Bluterguss“ oder „aufwachen — kaputtlachen“, so dass sofort klar war, dass es richtig lustig sein kann, Gedichte zu schreiben und zu hören. Anschließend ging es mit einem Tabu-Gedicht weiter: Die zehn Wörter, die man spontan mit „Frühling“ verbindet, sollten gerade nicht in den Frühlingsgedichten auftauchen, die daher ohne „Sonne“, „warm“ und „Wasserschlacht“ auskommen mussten, dafür aber den Regen oder die Finanzkrise thematisierten. Zum Schluss gab Jan Skudlarek noch wichtige Tipps, die man als Lyriker(in) unbedingt beherzigen sollte: >>Eure Gedichte sind Kunst. >>Man wird nur durch Üben besser. >>Seid mutig, tragt eure Gedichte vor und holt euch Feedback. Das Feedback der 6a an Jan Skudlarek war eindeutig: 31 Daumen gingen in die Höhe und wurden von tosendem Applaus abgelöst.

Sowohl der 6a als auch dem Gk Deutsch der Q1 und natürlich den beiden Lehrerinnen war am Ende klar: Das waren spannende und motivierende Stunden, beim nächsten Lyrikertreffen sind wir wieder dabei.

Na / TW